
Aus und vorbei. Das Leben muss weiter gehen. Auch ohne EM und die deutsche Fußballnationalmannschaft. Mit dieser Truppe und der dazugehörigen Bundesrepublik können sich ohnehin immer weniger Menschen identifizieren.
Ein Meinungsbeitrag von Sven Brajer
Enttäuscht und traurig fühlten sich viele nach dem Abpfiff der Partie Deutschland gegen den späteren Europameister Spanien. Bei der Europameisterschaft flog der Turnierveranstalter tragisch nach 120 Minuten mit 1:2 aus dem Wettbewerb. Ich hatte erst in der 87. Minute eingeschaltet – diese Nationalmannschaft ist mir schon seit Jahren völlig gleichgültig geworden. Das hängt zum einen mit den (Anti-)-Typen und Botschaften dieser Truppe, zum anderen mit der irren Genese des Landes, welches sie symbolisiert, zusammen. Spätestens seit 2020 erkenne ich den einstigen Exportweltmeister nicht mehr wieder und stelle mir die Frage, warum „wir“ innerhalb kürzester Zeit zu einer irrationalen Bananenrepublik geworden sind, die im Ausland oft nur noch für Kopfschütteln sorgt?
Dabei gab es Zeiten, als ich keine einzige Minute der einstmals Schwarz-Weißen verpasst habe: Erinnern Sie sich an das Jahr 1996? EM in England! Was waren da für Kerle auf den Platz! Andreas Köpke – der coolste Torwart überhaupt. Davor hielten Thomas Helmer und Markus Babbel den Laden zusammen. Der beste Matthias Sammer aller Zeiten und sein Dortmunder Vereinskollege Andreas Möller – zusammen mit Christian Ziege, Thomas „Icke“ Häßler und den ewigen Bremer Dieter Eilts hielten im Mittelfeld die Zügel in der Hand. Und vorne lebte ein nicht mehr ganz so junger Jürgen Klinsmann nochmal auf – unterstützt von Kopfballungeheuer Oliver Bierhoff – was für eine Name! – der im Finale gegen die Tschechen das Spiel im Alleingang drehte!
Zehn Jahre später berauschte uns dann das „Sommermärchen“ dahoam – welches uns der selige Franz Beckenbauer mit nicht ganz koscheren Methoden, wie später bekannt wurde beschert hat. Wuascht! Angeführt von einem großartigen Michael Ballack und seinem Nebenmann Torsten Frngs wirbelten Lukas Podolski und Miroslav Klose im Sturm mit Vorlagen gefüttert vom „weißen Brasilianer“ Bernd Schneider so manche Abwehr durcheinander. Jens Lehmann hatte Oliver Kahn im Tor verdrängt, der nach einem fulminanten 2:0 im Achtelfinale gegen Schweden zwei Elfmeter im Viertelfinale gegen Argentinien parieren konnte: Es folgte das schlimmste Spiel aller Zeiten – der deutsche Hallbfinal-Knockout gegen Italien: In der 119. Minute traf Fabio Grosso zum 1:0, nur eine Minute später machte Alessandro Del Piero das 2:0 für die Italiener klar. Ein Alptraum, denn die Deutschen konnten mit der vielleicht besten italienischen Auswahl aller Zeiten über weite Strecken mithalten. 2014 sollte es dann endlich klappen! Nachdem die deutsche Elf den Gastgeber Brasilien mit 7:1 im Halbfinale rausgekickt hatte, war es Mario Götze mit einem Jahrhunderttor, der nach Vorlage von André Schürrle eine ganze Nation im Fußballrausch irre werden ließ – im positiven Sinn. Was für ein Spiel, was für eine WM. Szenen für die Ewigkeit. Aber gleichzeitig auch der Anfang vom Ende.
Ähnlich wie in der bundesdeutschen Politik und der Wirtschaft schlich sich auch beim DFB eine spätrömische Dekadenz ein, Nebensächlichkeiten dominierten fortan immer stärker das Geschehen: Während Angela Merkel für alle und jeden die Grenzen öffnen ließ, stellten türkischstämmige Nationalspieler fest, dass sie doch eher Türken als Deutsche sind und mussten das auch öffentlich betonen. Bei „Corona“ durften die Stars immerhin schneller als andere wieder ihren Beruf ausführen – damit der Pöbel wenigstens von zuhause aus vorm sterilen Großbildschirm mit Brot und Spielen ruhiggestellt werden konnte. Und die „Maßnahmen“? Na, die waren schon wichtig! Nur ein Joshua Kimmich hatte den Schneid den Wahnsinn der massenhaften „Impfungen“ zu hinterfragen, wurde dafür von der bundesdeutschen Haltungsjournaille zum Buhmann gemacht, um am Ende schließlich doch einzuknicken. Vielleicht erinnert sich der ein oder andere an die vielen Fußballspieler, die in den Jahren 2022/23 „plötzlich und unerwartet“ auf dem Feld umgefallen sind, Herzmuskelentzündungen und schlimmer. Aber nichts hat schließlich mit nichts zu tun, und vermutlich spielt da eher der menschengemachte Klimawandel eine Rolle. Oder die Ungarn. Die sind sowieso alles Nazis und gegen LGBT…na, Sie wissen schon. Daher war es auch ganz wichtig, dass die Allianz-Arena in Regenbogenfarben während der EM 2021 gegen die Magyaren angestrahlt wurde, auch wenn das auf dem Platz nichts genutzt hatte. Das wurde nur noch von der besten und demokratischsten Innenministerin aller Zeiten getoppt, die zur WM 2022 in Katar in guter, alter deutscher Sitte mit Armbinde im Stadion erschien, freilich um Farbe zu bekennen. Und 2024? Im Vorfeld stellt sich der hochgelobte Weltstar Antonio Rüdiger vom FC Chelsea London mit erhobenem Zeigefinger hin, um allen zu zeigen was der Islam für eine tolle Religion sei! Man stelle sich nur vor was los wäre, wenn sich beispielsweise ein Thomas Müller vor einer Einwechslung bekreuzigen würde! Aber das passiert genauso wenig wie Weltstar Toni Kross es seiner 14-jährigen Tochter in Deutschland nach 23 Uhr gestatten würde auf die Straße zu gehen. Das war übrigens der gleiche Toni Kroos der 2021 viel Gratismut bewies und verkündete: „Zur Wahl zu gehen ist wichtig. Außer, wenn man AfD wählen will. Diejenigen sollten zuhause bleiben. Die Partei braucht niemand“. Kognitive Dissonanz eines Fußball-Weltstars, der weit weg in Spanien lebt? Aber das ist ja nun vorbei. Und wir können uns endlich wieder den wichtigen Dingen in der Bunderepublik Widmen: Rekordinsolvenzen und massiv zurückgehende Exporte, neue Todesseuchen aus Übersee, aufgeblasene Haushalte und gigantische Schuldenberge, die Stationierung von US-Raketen auf deutschen Boden die gegen Russland gerichtet sind und somit den dritten Weltkrieg wieder einer Stückchen näher vor unsere Haustür bringen oder eine zeitgemäße Variante der deutschen Bücherverbrennung.
Das Sommermärchen ist also ausgefallen, ein Sommerloch scheint es dagegen nicht zu geben. Ich habe fertig.
(Foto: Sven Brajer)