Warum dieser Blog?

Über dreißig Jahre nach der „Wiedervereinigung“ zeigt sich: Ost- und Westdeutschland haben immer noch nicht zueinander gefunden, die Kluft scheint seit den 2010er Jahren sogar größer geworden zu sein.

Ruine Spinnerei-Weberei Ebersbach (2016, Foto von André Joosse)
Ruine Spinnerei-Weberei Ebersbach, Oberlausitz, Sachsen (2016, Foto von André Joosse, https://www.urbex.nl/)

Während im Westen das Vertrauen in „den Staat“, in die etablierten Parteien und den Umgang mit den globalistischen Krisen unserer Zeit (Migration, „Gender“, Klimawandel, Corona, Ukraine-Krieg) unerschütterlich scheint, sieht das im Osten – wo die soziale Frage immer noch die entscheidende ist – ganz anders aus. Die Aussage: „Ihr denkt an das Ende der Welt, wir denken ans Ende des Monats“[1] beschreibt einen Hauptunterschied am besten: So verdienen im Jahr 2022 Westdeutsche immer noch durchschnittlich tausend Euro mehr pro Monat als Ostdeutsche.[2] Die historische Teilung zwischen Kapitalismus und „real existierenden Sozialismus“ wirkte sich verheerend aus: Konnte man im Westen Dank transatlantischer Schützenhilfe vierzig Jahre lang Wirtschaftswunder feiern, Eigentum anhäufen und vererben, war der Vermögensaufbau für Privatleute in der DDR nur schwer möglich. Folglich konnten dann auch nur die wenigsten Ostdeutschen – ganz abgesehen von der fehlenden Erfahrung – die „fetten Jahre“ an der Börse und am Immobilienmarkt in den Nuller und vor allem 2010er Jahren mitnehmen.

Doch auch kulturell lebt man in verschiedenen Welten: Während in Hamburg. München oder Düsseldorf Aufgewachsene mit Hollywood, Coca-Cola und Popcorn bzw. heute Netflix, Instagram und „Cookies“ kulturalisiert sind und oftmals schon x-fach in den „[US-]Staaten“, Kanada oder Australien waren, fühlen sich rechts der Elbe die Ü30-Generationen eher mit ihren östlichen und südöstlichen slawischen Nachbarn und deren Anrainern mental, kulturell und kulinarisch verbunden: Von Tolstoi bis zu den Czerwone Gitary/Rote Gitarren, von der Soljanka bis zum Gulasch.  

Dieser Blog will den Osten Deutschlands und seinen bodenständigen Menschen eine Stimme geben sowie um Verständnis für einen oft – aber nicht immer – ganz anderen Blick auf die Dinge werben – denn nach wie vor dominieren Westdeutsche zwischen Ostsee und Erzgebirge in den Spitzenpositionen in Wirtschaft, Politik, Justiz und Wissenschaft, während der gegenwärtige Anteil der Ostdeutschen bei den bundesdeutschen Eliten immer noch deutlich unterrepräsentiert ist.[3] Dass dazu der von Berlin und Brüssel immer stärker fabrizierte Zentralismus für alle Lebenslagen im mit großem Lokalpatriotismus und wachem Bürgergeist versehenen Sachsen, Thüringen oder Mecklenburg-Vorpommern gar nicht gut ankommt, überrascht dabei wenig – genauso wie das Narrativ vom „rechtsradikalen“ und überflüssigen „Dunkeldeutschland“, verbreitet von Menschen aus Köln, Kassel oder Stuttgart, denen frei nach Uwe Tellkamp heute die Häuser am Dresdner Elbhang gehören[4], aber die noch nie einen Fuß an die Müritz oder in die Oberlausitz gesetzt haben.

Wenn sich dazu eine vermeintlich alternativlose Politik, umrahmt von tendenziösen Haltungsjournalismus, immer weiter von der Lebensrealität der Menschen verabschiedet und die vorhandenen demokratischen Institutionen und Prozesse zu einer Farce verkommen, wird es Zeit dem etwas entgegenzusetzen.


[1] Gegen die Kultureliten, Nach „Rückkehr nach Reims“ von Didier Eribon, als Theaterstück inszeniert von Michael Rettig am 29.11.2019, https://www.kreiszeitung.de/kultur/gegen-kultureliten-13259214.html

[2] Dietmar Bartsch, Sören Pellmann, 26. Januar 2022 https://www.linksfraktion.de/themen/nachrichten/detail/lohnunterschied-zwischen-ost-und-west-inakzeptabel/

[3] Raj Kollmorgen: Zwischen Austausch und Marginalisierung: Ostdeutsche in den Eliten nach der Vereinigung (26.5.2020), https://www.bpb.de/themen/deutsche-einheit/lange-wege-der-deutschen-einheit/310065/zwischen-austausch-und-marginalisierung-ostdeutsche-in-den-eliten-nach-der-vereinigung/

[4] Der Fall Tellkamp – Streit um die Meinungsfreiheit. Dokumentarfilm von Andreas Gräfenstein. Erstausstrahlung im ZDF am 22.5.2022, Mediathek: https://www.zdf.de/kultur/kulturdoku/der-fall-tellkamp-film-102.html

Ein Gedanke zu „Warum dieser Blog?“

  1. Ja, sehe ich fast genau so, aber für zwei Darstellungen gibt’s konstruktive Kritik.

    Bei den allermeisten Punkten bin ich bei ihnen, bei den Ursachen sehe ich es etwas anders. Diese liegen in der über Jahren stattfindenden Aushebelung demokratischer Verfahren und dem Unterminierung durch das, was man heute mißverständlich den „tiefen Staat“ nennt und früher den „militärisch-industriellen Komplex“ nannte. Der sog. tiefe Staat trat im Abhörskandal rund um Merkel kurz in Erscheinung, als man wohl eher naiv publizierte, dass viele FTP-Politiker in regen Kontakt zu Leuten aus den USA gestanden haben.

    Wann ging dieser Prozess der demokratischen Entmachtung los? Diese Frage stellen Sie so ja irgendwie. Er ging in Stufen los, wie Gänge in einem Auto, die wichtigste Stufe war m.E. der Patriot Act und damit 1993 in Verbindung damit der Anschlag auf das WTC. Dann ging es Schlag auf Schlag, immer verbunden mit US-gesteuerten Intrigen und Kriegen. Mit Joschka Fischer wurden die Grünen zur Kriegspartei, er gründete mit Albright und anderen den eCFR und damit eine Spiegelstruktur. Man wartete dann nur noch auf die Machtinstrumente wie Handys und auf 5G in Ergänzung mit Starlink. Durch klar benennbare Instrumente wie Big Data, Genderstudies, Global Gouvernance usw. gerät die Steuerung von Staaten und Regierungen immer mehr mehr in die Hände von Thinktanks, PP und angeschlossenen Polit-Agenten.
    Diese supranationalen Strukturen sind vom großen Geld abhängig und da liegt dann auch noch ein weiterer Kritikpunkt an der Darstellung: Helmut Kohl hätte rein nichts verhindert, wenn er heute leben würde, er war viel zu korrupt und wäre daher auch erpressbar.
    Die alten Zeiten haben sich geändert und Politiker werden vom WEF und Washington ausgewählt, nach oben gezüchtet und, wenn es sein muss, wie Bärbock mit erforderlichen Mitteln gekauft, beeinflusst und gefügig gemacht oder unter Druck gesetzt. Daher kommen nur noch charakterschwache Individuen in der Politik nach oben, die vermutlich vorher einer Gehirnwäsche unterzogen worden sind.

    Beispiele für diese Meinung? Da wäre einfach mal schauen, wer in der Corona-Krise gestorben wurde oder von seinem Amt zurück getreten ist.

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